Grußwort von Roland Meder

Bürgermeister für Kultur, Integration und Soziales der Stadt Freiburg, anlässlich der Verleihung des Walter Mossmann-Preises 2026 an Anastasiia Kosodii

"Lieber Didi Danquart, vielen Dank für die Einladung und die einführenden Worte! Meine sehr verehrten Damen und Herren, liebe Gäste,

auch ich darf Sie ganz herzlich zur diesjährigen Verleihung des Walter Mossmann-Preises hier im E-Werk begrüßen.

Liebe Anastasiia Kosodii, herzlich willkommen in Freiburg! Es ist mir eine besondere Freude und Ehre, Ihr künstlerisches Werk heute Abend, auf Einladung der Walter Mossmann Gesellschaft, zu würdigen.

Der Preis, der heute Abend verliehen wird, ist nach einem Künstler benannt, dessen Namen viele Jüngere nicht mehr und dessen Werk heute leider nur noch wenige gut kennen.

Oder anders gefragt: Wer könnte jetzt spontan den Refrain eines Liedes von Walter Mossmann zitieren?

Hier im Raum vielleicht doch einige. Aber wenn Sie morgen auf die Kajo gehen und jemanden bitten ein Lied von Walter Mossmann anzustimmen, dann wird’s eng.

Woran mag das liegen? - Seine Texte, seine Sprache sind sperrig, es ging ihm nicht um Eingängigkeit, sondern ganz im Gegenteil darum, sein Publikum aufzurütteln.

Zum anderen sind die Inhalte seiner Lieder stark mit dem Zeitgeschehen verbunden, in seinem Fall mit der politischen Protestbewegung der 60er und 70er Jahre.

Einer Zeit also, als politisch engagierte Sänger noch Liedermacher hießen und nicht nur in Konzertsälen aufgetreten sind, sondern in Wyhl, in Gorleben und überall dort, wo sie ein bürgerschaftliches Anliegen unterstützen wollten. Sein Publikum, das waren Menschen, mit denen er sich solidarisiert, mit denen er für ein gesellschaftspolitisches Ziel gekämpft hat.

In diesem Sinne ist Walter Mossmann für Sie, liebe Anastasiia Kosodii, ganz sicher so etwas wie ein Verbündeter im Geiste. Denn auch Sie setzen sich mit Ihrem Werk für Ihre Mitmenschen in der Ukraine ein.

Bereits viele Jahre vor Kriegsausbruch, haben Sie sich mit den kriegerischen Auseinandersetzungen im Osten der Ukraine beschäftigt. Dieser schwelende Konflikt ist im Februar 2022, mit dem Überfall Russlands, zum Flächenbrand eskaliert und hat über die Menschen in der Ukraine unendliches Leid gebracht.

Ihre Theaterstücke geben Einblick in die traumatischen Erfahrungen der Menschen in den Kriegsgebieten und verleihen ihnen eine Stimme. Das ist umso wichtiger, als die Welt über das Kriegsgeschehen in der Ukraine nur aus Fernsehberichten erfährt. Die tatsächlichen, konkreten Folgen für den Alltag der Bevölkerung können wir nur erahnen.

In Freiburg sind wir mit den Auswirkungen des Krieges in der Ukraine sehr früh konfrontiert worden: Nur wenige Tage nach Kriegsausbruch haben wir auf Initiative der Stadtmission rund 200 Kinder und ihre Betreuerinnen aus einem ukrainischen Waisenhaus nach Freiburg geholt und hier untergebracht. Die Ankunft dieser Kinder hat uns alle, die wir dabei waren, tief berührt und uns vor Augen geführt, welch dramatischen Einschnitt dieser Konflikt in das Leben jedes einzelnen Menschen bedeutet.

In einem Artikel im Tagesspiegel habe ich gelesen, dass seit Ausbruch des Krieges vor den Theateraufführungen in der Ukraine eine Luftangriffswarnung durchgegeben wird:

„Wenn der Luftangriff beginnt, unterbrechen wir die Aufführung und bitten Sie, sich in den Schutzraum zu begeben.“

Eine Durchsage, die uns, die wir seit nunmehr über 80 Jahren im Frieden leben dürfen, an Kriegserzählungen unserer Eltern und Großeltern erinnert.

Die uns aber auch eine Mahnung sein sollte: Frieden und Demokratie sind nicht selbstverständlich und niemals gewiss, wir müssen uns jeden Tag erneut für ihren Erhalt einsetzen.

Meine Damen und Herren, liebe Anastasiia Kosodii, unsere Solidarität und unser Mitgefühl gilt den Menschen in der Ukraine und wir alle hoffen, dass dieser furchtbare Krieg und das Leiden der Menschen dort bald ein Ende finden.

Bevor ich nun das Wort gleich an Theresia Walser übergebe, möchte ich mich noch bedanken:

– Beim Vorstand der Walter Mossmann Gesellschaft, die mit ihrer Arbeit und diesem Preis, die Erinnerung an das politische und künstlerische Wirken von Walter Mossmann lebendig halten.

– Bei den Mitgliedern des Kuratoriums, die in diesem Jahr über die Preisvergabe entschieden und eine so würdige Preisträgerin erkoren haben.

– Und natürlich auch bei unserem Gastgeber, dem E-Werk Freiburg, die uns heute Abend empfangen haben.

Nun wünsche ich Ihnen allen noch einen anregenden Abend und übergebe an Theresia Walser.

Vielen Dank!"

Zurück