Die 2023 gegründete Walter Mossmann Gesellschaft will an einen wichtigen Protagonisten der Neuen Sozialen Bewegungen im letzten Viertel des 20. Jahrhunderts erinnern und - wie es in der Präambel ihrer Satzung heißt - „vergegenwärtigen und zu dem ermutigen, was das Wirken von Walter Mossmann im Kern bestimmt hat: auf der Basis einer bedingungslosen Humanität durch zivilgesellschaftliches Engagement für Solidarität und Gerechtigkeit einzutreten.“

Erreicht werden soll das durch regelmäßige kulturpolitische Veranstaltungen in Kooperationen mit Initiativen, Vereinen und Institutionen und über die im zweijährlichen Rhythmus erfolgende Vergabe des Walter Mossmann Preises. Dieser Preis versteht sich ausdrücklich als Freiburger Kulturpreis, der unter anderem würdigt, dass Walter Mossmann ab den frühen 1970er-Jahren wichtige und vielfältige Beiträge zu einer Kultur geleistet hat, die die Freiburger Stadtgesellschaft bis heute bestimmt. Einer politischen Kultur in der Weltoffenheit und das Bekenntnis zu Demokratie und Menschenrechten genauso integrale Bestandteile sind wie Vielfalt und ein verantwortlicher Umgang mit Ressourcen.

Walter Mossmann
© IMAGO/ Eckhard Stengel
Zum Abschluss der Preisverleihung 2026 - Gruppenfoto mit allen Beteiligten © A. J. Schmidt
Anastasiia Kosodii
Anastasiia Kosodii, Foto Christian Kleiner

Die Preisverleihung 2026 im E-WERK

Die Walter Mossmann Gesellschaft e.V. hat am 29. April im E-WERK in Freiburg den mit 10.000 Euro dotierten Walter Mossmann-Preis 2026 an die 1991 in Saporischja geborene die ukrainische Dramatikerin und Regisseurin Anastasiia Kosodii verliehen. Es wurde ein Abend, der die rund 250 Besucherinnen und Besucher begeistert und tief berührt hat.

„In einer Welt, die sich an den Krieg und an die steigenden Opferzahlen zu gewöhnen scheint, gelingt es Anastasiia Kosodii, Unfassbares zum Klingen zu bringen“, heißt es in der von Theresia Walser vorgetragenen Begründung des Kuratoriums zur Preisvergabe.

Weil Julia Wissert krankheitsbedingt kurzfristig hatte absagen müssen, moderierten Didi Danquart und Bernadette La Hengst den Preisverleihungsabend so spontan wie charmant. Freiburgs neuer Kulturbürgermeister Roland Meder und Katrina Mäntele, leitende Dramaturgin am Theater Freiburg, würdigten in ihren Grußworten den Preis und die Preisträgerin, während die Schauspielerinnen Janna Horstmann und Anna Stieblich mit ihrer Lesung einen tiefen Eindruck von den Texten der Preisträgerin schufen.

Michael Kiedaisch und Felix Borel – und Bernadette La Hengst mit zwei Interpretationen von Liedern Walter Mossmanns – umrahmten musikalisch einen stimmungsvollen Abend, an dem die Laudatio von Sasha Marianna Salzmann auf die Preisträgerin vielleicht zum Höhepunkt avancierte. „Die Handschrift von Anastasiia Kosodii ist also geprägt von Humor und Poesie, und eines der zentralen Motive ihres Schreibens ist das Verhältnis zur Zeit. Zur verrückt gewordenen Zeit. Zu einer Zeit, die vor einem liegt wie ein Haufen gebrochener Knochen.“

Für den Preis, den ihr Jürgen Eick als kleine Leonardo-Brücke aus Hölzern der Region übergegeben hatte, bedankte sich Anastasiia Kosodii mit „Geistergeschichten“, drei Texten aus einem neuen Projekt der Künstlerin, die sie in englischer Sprache vortrug.

Diese Texte – in einer deutschen Übersetzung von Katja Meintel – gibt es hier genauso wie die Laudatio von Sasha Marianna Salzmann und die Begründung des Kuratoriums von Teresia Walser und eine Bildergalerie zum Abend der Preisverleihung im E-WERK in Freiburg.